[VKZ] Nicht immer brillant, aber mitreißend

Die Vaihinger Faustballer schlagen Calw und Unterhaugstett, sind für die DM qualifiziert und erleben die 1-2-3-Halle als Hexenkessel.

Faustball.Von Ralph Küppers

So eine Kulisse haben die Faustballer des TV Vaihingen schon lange nicht mehr erlebt. Die Gastmannschaft TSV Calw, die wie Gastgeber Vaihingen noch Chancen auf die Teilnahme an der DM-Endrunde hatte, brachte zahlreiche Schlachtenbummler mit. Das Remmidemmi auf der Tribüne in der Sporthalle am Alten Postweg passte zum Spiel. Es war mitreißend. Am Ende stand ein 5:2-Sieg des TVV gegen Calw am Samstagabend. Dem ließen die Vaihinger gestern Nachmittag ein 5:3 beim TV Unterhaugstett folgen und bleiben Zweiter der 1. Faustball-Bundesliga Süd.

 

„Es wäre schon sehr theoretisch, wenn wir nicht mehr zur DM kämen“, sagt TVV-Trainer Markus Knodel nach dem Doppelsieg vom Wochenende. Denn dafür müssten die Verfolger gegen Spitzenreiter TSV Pfungstadt punkten, während Vaihingen zugleich gegen Schlusslicht TV Augsburg Federn lassen müsste. Und dass die Vaihinger überhaupt nicht dran denken, der Konkurrenz irgendwelche Sätze, geschweige denn Punkte zu überlassen, haben sie beim Heimspiel am Samstag überdeutlich gezeigt. „In dem Spiel bin ich wieder gealtert“, sagt Knodel kurz nach dem erfolgreichen Ende. Denn bis auf zwei Sätze begann sein Team immer mit einem Rückstand. „Darum weiß ich auch gar nicht, wie die Calwer das Spiel verlieren konnten. Aber wir haben nie aufgegeben, immer dran geglaubt und viele Sätze gedreht. Es war ein geiles Spiel.“ In dem Moment kommt der Calwer Trainer Thomas Stoll dazu und sagt: „Es war ein affengeiles Spiel.“ Immerhin haben auch seine Jungs eine begeisternde Vorstellung geboten, nur allzu oft aus ihrem Vorsprung nichts gemacht. Bejubelt wurde jeder Punkt frenetisch – entweder vom Vaihinger Anhang oder von dem der Calwer.

 

Das Spiel des TV Vaihingen zeichnet sich dadurch aus, dass der Schlag voll und ganz auf Johannes Jungclaussen ausgerichtet ist. Für die Gegner ist es darum ein bewährtes Konzept, den Vaihinger Angreifer direkt anzuspielen und damit aus dem Spiel zu nehmen. Das versuchten auch die Calwer immer wieder – außer wenn Raphael Schlattinger beim Rückschlag an den Ball kam und diesen mit seiner enormen Durchschlagskraft regelmäßig in der Vaihinger Hälfte versenkte. „Er ist ein Weltklasse-Angreifer“, zollt ihm der TVV-Trainer Respekt. „Aber bei unserer Abwehr muss auch er Risiko gehen und macht darum ab und zu Fehler.“

 

Den ersten Satz holte sich der TV Vaihingen mit 11:8, profitierte dabei aber von vier Fehlern seiner Gäste. Im zweiten Durchgang war bei den Gastgebern völlig die Luft raus. Sie machten Fehler um Fehler, während Calw konzentriert spielte und mit 11:1 gewann. „Da war jeder Rückschlag ein Treffer“, sagt Knodel. Doch ab da waren die Vaihinger wieder auf Zack. Durch einen 11:6-Erfolg im dritten Durchgang gingen sie mit einer 2:1-Satz-Führung in die erste Pause. Bis zur zweiten Pause bauten sie diese auf 4:2 aus, allerdings mit gewissen Schwankungen. Nachdem Johannes Jungclaussen immer wieder frühzeitig aus dem Spiel genommen war, musste oft Jakob Kilpper den Rückschlag übernehmen – oft mit Erfolg, der dann entsprechend bejubelt wurde. Die Sätze bis zur nächsten Pause endeten 11:8, 7:11 und 11:7 aus Vaihinger Sicht. Allerdings musste der Satzball im sechsten Durchgang wiederholt werden, weil ein Zuschauer den Ball schon gefangen hatte, obwohl die Abwehraktion des TSV Calw noch gar nicht gescheitert war. Im siebten Satz machte Vaihingen mit 11:9 den Sack zu.

 

Gestern in Bad Liebenzell waren keine Zuschauer erlaubt – auf den Hexenkessel von Vaihingen folgte also ein Geisterspiel gegen den TV Unterhaugstett. Der TVU hatte am Samstag mit 5:4 beim TV Waibstadt gewonnen. „Man hat gemerkt, dass beide Mannschaften lange Spiele hinter sich hatten“, sagt Knodel. „Es war nicht so glorreich.“ Doch Vaihingen gewann, nachdem wieder ein Rückstand gedreht war, mit 11:8, 7:11, 6:11, 7:11, 11:3, 11:9, 11:6 und 11:2.


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