[VKZ] TVV verkauft sich phasenweise unter Wert

Faustballer verlieren gegen Deutschen Serienmeister Pfungstadt zwar mit 0:5, haben aber Möglichkeit, sich Satz eins zu holen

Von Michael Nachreiner | Erstellt: 4. November 2019
 

Die Faustballer des TV Vaihingen haben zum Saisonauftakt in der 1. Bundesliga Süd die erwartete hohe Niederlage gegen den TSV Pfungstadt kassiert. Doch beim 0:5 (9:11, 0:11, 3:11, 7:11 und 6:11) gegen den Deutschen Serienmeister verkauften sich die Vaihinger phasenweise unter Wert.

 

Vaihingen. Eigentlich geht es schon seit Jahren in der 1. Faustball-Bundesliga Süd nur darum, wer dem TSV Pfungstadt überhaupt einen Durchgang abnehmen kann. Denn in den vergangenen Spielzeiten gaben die Hessen meist in den 14 Saisonspielen nicht einmal eine zweistellige Anzahl an Sätzen ab. Der TV Vaihingen war beim Saisonauftakt in die Hallensaison 2019/2020 aber nahe dran, sich den ersten Abschnitt zu holen. „Den müssen wir eigentlich gewinnen“, ärgert sich TVV-Trainer Markus Knodel im nachhinein. Doch bei eigener 4:1-Führung und dem Ball auf der Leine prellte Jakob Kilpper, der den Part des Hauptangreifers auf Seiten der Enzstädter übernahm, in die Leine. „Und danach sind wir auch noch von unserer taktischen Marschroute abgewichen und haben den Pfungstadter Hauptangreifer Patrick Thomas ins Spiel gebracht“, bemängelt Knodel. Die Pfungstädter erzielten sechs Punkte in Folge und gingen ihrerseits mit 7:4 in Führung. Die Vaihinger kämpften sich zwar noch einmal auf 9:9 heran – auch, weil Thomas im ersten Satz noch der eine oder andere Fehler unterlief. Doch dann brachte ein Rückschlag von Jonas Schröter den Hessen den ersten Satzball. Und den schenkten die Vaihinger dem Deutschen Serienmeister direkt, weil Thomas im Block gegen Kilpper erfolgreich war, nachdem das Zuspiel der Vaihinger etwas zu lang geraten war. „Es ist zwar nicht so schlimm, dass die Fehler gegen Pfungstadt passieren. Aber die leichten Bälle, die wir vertan haben, ärgern schon. Gerade, wenn wir gut abgewehrt haben, haben wir nicht immer sauber zugespielt. Und gegen Pfungstadt bekommst du dann halt keine zweiten Chance“, erklärt Knodel.

 

Was dann aber nach dem knapp verlorenen ersten Satz geschah, dafür hat auch der TVV-Übungsleiter kaum eine Erklärung. Durchgang zwei ging mit der Höchststrafe von 11:0 an die Pfungstadter. „Die Vorgabe war eigentlich, dass wir Patrick Thomas aus dem Spiel nehmen, dann den Rückschlag des Zweitschlags abwehren und selbst wieder in den Angriff kommen wollten“, berichtet Knodel. Denn den Zweitschlag bei den Hessen übernahm Abwehrspieler Schröter, da der eigentliche Zweitangreifer Johannes Jungclaussen mit Schmerzen im rechten Ellbogen gehandicapt ist, sobald er in die Überstreckung geht. „Doch von zehn Angaben haben wir es nur bei zweien geschafft, dass Patrick Thomas ran muss“, bemängelt Knodel. „Damit lag es hauptsächlich an uns, dass wir keinen Punkt im zweiten Satz erzielt haben. Die Hessen haben das nicht schlecht gemacht – aber eben mit tatkräftiger Mithilfe von uns.“

 

Auch im dritten Durchgang war für die Vaihinger fast kein Kraut gewachsen. Kilpper kam ein Mal mit einem Rückschlag durch. Ein anderes Mal sprang der Ball von seinem Block Thomas an den Körper. Den dritten Punkt steuerte Schröter bei, als er in die Leine schlug. „Man muss natürlich auch sehen, dass wir ein extrem junges Team sind. Und auf der anderen Seite haben die Pfungstadter jeden Vereinstitel geholt, den es zu holen gibt – und das fast ohne jeweils einen Satz abzugeben. Außerdem stehen in der Abwehr mit Ajith Fernando und Schröter zwei deutsche Nationalspieler, die bei der WM im Sommer Stammspieler waren“, berichtet Knodel.

 

Eines muss man den Vaihingern aber zugutehalten. Nach der Pause nach den ersten drei Sätzen haben sie sich wieder gefangen. „Das Wichtigste in dieser Saison ist auch, dass man den Zuschauern zeigt, dass wir ein Spiel nicht nur über uns ergehen lassen und wir uns abschlachten lassen“, erklärt der TVV-Trainer. Und das haben die Enzstädter in den folgenden beiden Durchgängen eindrucksvoll demonstriert. In Abschnitt vier gingen sie gleich mit 2:0 in Führung. Zwar konterten die Pfungstadter zum 4:2. Doch zwei Rückschläge von Thomas jeweils ins Aus brachten das 4:4. Dann erlaubte sich der Hauptangreifer der Hessen aber praktisch keinen Fehler mehr. „Wenn Patrick Thomas den Ball auf der Leine hat, gibt es praktisch keine Abwehrmöglichkeit mehr. Er ist größer, springt höher und schlägt auch noch einmal 20 Kilometer pro Stunde schneller als jeder andere Topangreifer in der Welt“, zollt Knodel dem Hauptangreifer der Pfungstadter und der deutschen Nationalmannschaft Respekt. Die Hessen setzten sich auf 9:4 ab. Nach einer Auszeit von Knodel bissen sich die Vaihinger aber noch einmal ins Spiel. Kilpper sorgte für drei weitere Punkte, so dass der Durchgang nur mit 7:11 verloren ging.

 

Und auch im fünften Satz waren die Kräfteverhätnisse schnell klar. Die Pfungstadter setzten sich nach 1:1 über 4:1 auf 8:2 ab. Doch wieder betrieben die Vaihinger etwas Ergebniskosmetik. Und feierten vor allem jeden einzelnen eigenen Punkt, als hätten sie gerade einen Satz gewonnen. „In unserer Situation muss man die kleinen Momente mitnehmen – vor allem, wenn man nie dran ist, wirklich einen Satz zu gewinnen“, berichtet Knodel.

 

Das Spiel gegen den Deutschen Serienmeister hat allerdings auch gezeigt, dass die Vaihinger mit ihrer Abwehr eine gute Basis haben, vielleicht doch den einen oder anderen Sieg in dieser Hallensaison einzufahren. „Wir haben einige Bälle gut geholt, auch wenn viele Bälle, die wir kassiert haben, verzeihbar waren, weil sie unholbar waren“, erklärt Knodel. „Das Spiel von uns war nicht schlecht. Und die Pfungstadter haben gut gespielt.“ Doch Markus Knodel wäre nicht Markus Knodel, wenn er nicht gleich wieder das Haar in der Suppe sehen würde. „Wir haben fast alle Bälle in die Decke abgewehrt. Das hat mir gar nicht gefallen, auch wenn das wahrscheinlich der Schlaghärte von Patrick Thomas geschuldet war“, bemängelt der TVV-Übungsleiter.

 

TV Vaihingen: Jakob Kilpper, Jaro Jungclaussen, Max Winkler, Jacob Jungclaussen, Nils Hantke, Michael Knodel.


Kommentar verfassen