[VKZ] Im richtigen Moment Nerven behalten

Die männliche U 18 Deutschlands muss im Finale der Junioren-EM nach 2:0-Satz-Führung gegen die österreichischen Faustballer den Ausgleich hinnehmen, macht dann aber im Entscheidungssatz den Triumph perfekt.

 

Faustball. Alfred Hitchcock hätte kein besseres Drehbuch schreiben können: Das letzte Spiel bei den Europameisterschaften unterm Kaltenstein, das Finale der männlichen U 18 zwischen Deutschland und Österreich, war das mit Abstand spannendste. Zwar sah es zunächst nach einer klaren Angelegenheit für das Team der Bundestrainer Kolja Meyer und Tim Lemke aus. Sie gingen mit 2:0 nach Sätzen in Führung. Doch dann überraschten die Österreicher die Deutschen mit einer unkonventionellen Aufstellung bei Angabe der Mannschaft mit dem Bundesadler auf der Brust. Das brachte die Deutschen so durcheinander, dass sie den 2:2-Satz-Ausgleich hinnehmen mussten. Doch im entscheidenden Durchgang behielt die Truppe von Meyer und Lemke die Nerven, setzte sich letztlich mit 3:2 (11:5, 11:9, 6:11, 8:11 und 11:5) durch und machte den Titeldreifachtriumph Deutschland perfekt. Zuvor waren schon die männliche U 21 und die weibliche U 18 Europameister geworden.

Nach den ersten beiden Durchgängen sah alles nach einem Durchmarsch der Gastgeber aus. Sie hatten die Österreicher komplett in der Hand. Doch dann wählte das Team aus der Alpenrepublik eine Aufstellung, die es „vorher keiner Analyse des Gegners ausgesetzt hatte“, berichtet Meyer. Die Österreicher zogen ihren Mittemann Michael Hölzl wie in einer W-Aufstellung weit nach vorne. Er deckte mit Abwehrspieler Philipp Einsiedler praktisch den kompletten vorderen Bereich ab, während Hauptangreifer Manuel Beck sich fallen ließ. „Mit Einsiedler hatten die Österreicher den besten Abwehrspieler des U-18-Turniers in ihren Reihen. Er kann aber auch angreifen – und das ziemlich ekelig“, erklärt Meyer. „Dass er nun ein Drittel des Feldes zugemacht hat, hat uns beschäftigt und den Österreichern einen Push gegeben.“ Und Deutschlands Kapitän und Angreifer Andreas Knodel vom TV Vaihingen ergänzt: „Wir mussten dann erst mal herausfinden, was funktioniert.“

Das dauerte zwei Sätze lang, die die Österreicher jeweils relativ deutlich für sich entschieden. „Bis zur Pause hatten wir keine Lösung gefunden, wie wir die Abwehr knacken könnten“, erklärt Meyer und fügt hinzu: „Um ehrlich zu sein: Nach dem vierten Durchgang habe ich nicht mehr dran geglaubt, dass wir das Spiel gewinnen. Aber die Jungs haben dann noch mal richtig Gas gegeben.“

Zudem redeten er und Lemke ihre Spieler in der zehnminütigen Unterbrechung vor dem entscheidenden Durchgang noch mal stark. „Die beiden haben uns noch mal versicht, dass wir besser sind. Und letztlich stimmt das auch“, sagt Knodel. Allerdings fand der Schlagmann auch endlich Lücken im Defensivverbund der Österreicher. „Ich hatte davor immer lang in die Mitte gespielt. Deshalb hatten die Österreicher auf der von mir aus gesehen linken Seite etwas offen gelassen“, erzählt er. Über 3:0 und 5:1 setzten sich die Deutschen bis zum Seitenwechsel auf 6:2 ab. Bei 10:5 machte Knodel dann über die linke Abwehrseite der Österreicher den Sack zu, über die er auch schon den Matchball herausgespielt hatte.

 


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