[VKZ] U 21 ist in Vorrunde noch keine Einheit

Durch viele personelle Umstellungen ist noch viel Unruhe in der deutschen Auswahl. Nach der Niederlage gegen Österreich setzt Team von Bundestrainer Hartmut Maus gegen Schweiz aber noch mal ein Ausrufezeichen. Gegen die Eidgenossen geht es wieder im Halbfinale.

Faustball. Viel Licht, jedoch auch noch einigen Schatten haben die deutschen U-21-Faustballer in der Vorrunde der Europameisterschaften gestern Nachmittag unterm Kaltenstein gezeigt. Dem lockeren Aufgalopp gegen Italien mit dem 3:0 (11:8, 11:7 und 11:1)-Sieg folgte eine 1:3 (9:11, 7:11, 11:8 und 5:11)-Niederlage gegen Österreich. Zum Abschluss des Tages setzte die Mannschaft von Bundestrainer Hartmut Maus allerdings noch mal ein Ausrufezeichen und fegte die Schweiz mit 3:0 (11:4, 14:12 und 11:5) vom Platz. Damit ist der Traum von der Titelverteidigung weiter am Leben. Allerdings müssen sich die Deutschen am heutigen Samstag gegen 12 Uhr erst noch in einem Halbfinale gegen die Schweiz für das Endspiel um 19.30 Uhr qualifizieren, für das Österreich als Vorrundenerster bereits gesetzt ist.

„Dass wir das Halbfinale spielen müssen ist ein Vor- und ein Nachteil“, berichtet Abwehrspieler Jacob Jungclaussen vom TV Vaihingen. „Auf der einen Seite finde ich es ganz gut, dass wir vor einem möglichen Finale gegen Österreich noch mal ein Spiel haben. Das ist hilfreich. Auf der anderen Seite müssen wir uns gegen die Schweiz richig anstrengen. Die Begegnung ist noch nicht gewonnen.“ Und sein Vereinskamerad, Angreifer Jakob Mahn, ergänzt: „Wir haben in der Vorrunde bisher viel hin- und hergewechselt. Wir haben noch nicht unsere Topaufstellung gefunden. Deshalb ist es gut, dass wir das Halbfinale spielen müssen.“

Vor allem die deutschen Abwehrspieler mussten in Vorrunde flexibel sein

Die vielen personellen Umstellungen, die Bundestrainer Maus von Spiel zu Spiel und teilweise auch von Satz zu Satz vorgenommen hat, „bringen einen durcheinander und bringen etwas Unruhe rein“, erklärt Jungclaussen. Vor allem die Abwehrspieler mussten flexibel sein. Sie wurden von Trainer Maus fast auf jeder Position eingesetzt. „Da haben hinten die Laufwege noch nicht gestimmt“, ist sich auch Abwehrspieler Tobias Maurer, der ebenfalls für den TV Vaihingen aufläuft, bewusst. Das sei aber normal, findet Mahn und fügt hinzu: „Um allen Spielern Einsatzzeit zu geben und sich zu finden, dafür hat man die ersten Spiele bei solchen Turnieren.“

Dazu kam dann noch, dass die deutsche Auswahl gegen Österreich „nicht als Team zusammengespielt hat. Gefühlt hat jeder für sich selbst gekämpft“, bemängelt Kapitän Jungclaussen. „Wir sind überhaupt nicht in einen Flow reingekommen.“ Und Maurer ergänzt: „Wir haben auch viele Eigenfehler produziert.“ Bestes Beispiel war der Beginn des dritten Satz. In den ersten vier Ballwechseln unterliefen den Deutschen drei Leinenfehlern – zwei Mal durch Jannis Wethling in der Angabe, ein Mal von Johann Schneider beim Rückschlag. In diesem Durchgang, dem einzigen, den die Deutschen gegen die Österreicher gewonnen haben, gelang es ihnen allerdings, die Schwächephase zu Beginn des Abschnitts zu kompensieren. Vor allem Wethling war immer wieder mit seinen kurzen Angaben erfolgreich. Doch nachdem sich die Österreicher darauf eingestellt hatten, verpuffte auch diese Waffe im deutschen Angriff ein ums andere Mal.

Der Einzige, der sich wirklich gegen die drohende Niederlage gegen Österreich zu wehren schien, war Maurer. Der Abwehrspieler vom TVV wehrte praktisch jeden Ball, der auf ihn geschlagen wurde – und das waren viele –, schön nach vorne ab. Und als er auch noch im Rückschlag gefordert war, verwandelte er zwei von drei Bällen ebenfalls. „Eine 66-Prozent-Quote beim Rückschlag ist für einen Abwehrspieler richtig gut“, lobt der deutsche Kapitän Jungclaussen seinen Mannschaftskameraden.

Sieg gegen Schweiz ist für Turnierverlauf nicht mehr wichtig gewesen

Dafür musste Maurer im abschließenden Vorrundenspiel gegen die Schweiz zuschauen. „Alle unsere Abwehrspieler sind super. Und während ich gegen Österreich durchgespielt habe, kamen andere da überhaupt nicht zum Zug. Deshalb ist das schon okay – zumal die Jungs, die gegen die Schweiz auf dem Feld waren, eine gute Leistung abgerufen haben.“

Der 3:0-Sieg der Deutschen gegen die Eidgenossen war zwar für den weiteren Turnierverlauf nicht mehr wichtig. Es stand schon vor der Partie fest, dass sich beide Teams als Vorrundenzweiter und -dritter im Halbfinale am heutigen Samstag wieder gegenüberstehen würden. Doch „Es war für die Psyche wichtig“, sagt Jungclaussen – und Mahn vollendet den Satz, „dass wir uns gut präsentiert haben“. Und Maurer ergänzt: „Auch der Spielaufbau hat viel besser geklappt. Das hat man auch von außen gesehen.“

Wie Maurer war auch Mahn gut im Spiel. Er übernahm gegen Italien und gegen die Schweiz den Rückschlag – und war beinahe fehlerfrei. „Wenn es läuft, macht es immer Spaß“, sagt der Angreifer. An Jungclaussen liefen die Vorrundenspiele dagegen weitestgehend vorbei. Der deutsche Kapitän wurde kaum angespielt. „Natürlich wäre ich gerne an jedem Spielzug beteiligt. Aber ich habe heute auch oft auf einer Position gespielt, die ich im Verein kaum begleite – als Zuspieler in der Mitte. Da hatte ich etwas Probleme beim Antritt“, berichtet der Auricher.


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