[VKZ] Serienmeister in Bedrängnis gebracht

Der TV Vaihingen gewinnt völlig überraschend die ersten drei Sätze gegen den TSV Pfungstadt, bricht dann aber ein und verliert das Spitzenspiel der Bundesliga-Südstaffel vor heimischem Publikum doch noch mit 3:5.

Der TSV Pfungstadt gilt in der 1. Faustball-Bundesliga als unschlagbar, zumindest seit einigen Jahren. Umso überraschender war am Samstagabend, dass der TV Vaihingen im Spitzenspiel der Südstaffel die ersten drei Sätze gegen den Serienmeister gewonnen hat. Die Hessen fanden zunächst kein Mittel gegen die Gastgeber in der Halle am Alten Postweg. Doch am Ende gewann Pfungstadt auch in Vaihingen mit 5:3. Damit fährt der TSV als Südmeister zur DM und ist in einer der beiden Vorrundengruppen als Gruppenkopf gesetzt.

 

Auch wenn sich die Vaihinger nach dem verwandelten Matchball – zwei hatten sie bereits abgewehrt – die Hände vors Gesicht schlugen wie Max Winkler oder auf die Knie sanken wie Johannes Jungclaussen, hatten sie allen Grund, auf ihre Leistung stolz zu sein. Denn auch am Samstag haben wie wieder einmal Faustball vom Feinsten gezeigt. „Wenn Patrick Thomas richtig zum Schlag kommt, kann man praktisch nichts dagegen machen“, berichtet TVV-Trainer Markus Knodel. „Er dominiert seit zehn Jahren das Weltfaustball. Aber seine Angabe haben wir sehr gut im Griff gehabt.“ Ohnehin sieht Knodel die Abwehrleistung des TV Vaihingen als Vorzeigestück der Mannschaft – egal ob Spieler auf den vorderen oder hinteren Positionen angespielt werden. Allzu oft wurde auch Vaihingens Hauptangreifer Johannes Jungclaussen durch direkt auf ihn geschlagene Bälle für den Rückschlag aus dem Spiel genommen. Doch wenn der auf ihn zugeschnittene Spielaufbau des TVV funktionierte, bewies er oft auch seine Durchschlagskraft. Selbst wenn er Patrick Thomas mit dessen riesiger Reichweite gegen sich hatte, wusste sich Johannes Jungclaussen oft zu helfen. Mal verzögerte er den Schlag, mal spielte er an dem Nationalangreifer vorbei.

Vor allem in den Sätzen eins bis drei siegte immer wieder die Frechheit, wenn die Vaihinger es gegen den haushohen Favoriten einfach probierten. Die Quittung waren Ergebnisse von 13:11, 12:10 und 11:4 vor der ersten Pause. Mit einer 3:0-Satz-Führung in diese Pause zu gehen, hatte sich keiner aus Knodels Team träumen lassen. Dabei war diese Führung alles andere als leicht erspielt. Im ersten Durchgang lagen die Gastgeber bereits mit 6:9 hinten und durften sich keine Fehler mehr erlauben. Taten sie aber auch nicht, sondern spielten konsequent weiter, während Patrick Thomas der eine oder andere Fehler bei der Angabe unterlief. Im zweiten Durchgang führten ihrerseits die Vaihinger mit 10:7, als Pfungstadt noch einmal ausglich, dann aber mit 10:12 erneut das Nachsehen hatte. Der einzige klare Satzgewinn für Vaihingen folgte im dritten Durchgang.

 

Danach allerdings riss die Erfolgssträhne der Gastgeber jäh ab, obwohl die gut 100 Zuschauer auf den Rängen weiter ordentlich Stimmung machten. „Er war klar, dass wir Pfungstadt nicht vom Feld schießen“, sagt Knodel. „Da drüben standen vier Nationalspieler auf dem Feld, davon drei Weltmeister. Und für Johannes Jungclaussen war es mit Sprungangaben, Block und Rückschlägen sehr anstrengend. Da war er am Schluss ein bisschen müde.“ Doch immer wieder gelangen die Nadelstiche, die auch das Vaihinger Publikum mit viel Beifall honorierte. Die Resultate indes fielen teils recht deutlich für die Gäste aus. Mit Satzergebnissen von 11:3, 11:6 und 11:9 glich der TSV Pfungstadt bis zur zweiten Pause auf 3:3 nach Sätzen aus. Doch der sechste Durchgang war es, der die Vaihinger im Nachhinein am meisten ärgert. Mit 7:2 lagen sie bereits vorne. Angabe in die Leine, Rückschlag ins Aus – plötzlich hagelte es Punkte für die Gegner, die auf 8:9 herankamen. Zwei weitere Angaben in die Leine und dann ein unwiderstehlicher Schlag von Patrick Thomas – die Hessen hatten ihren Kopf aus der Schlinge gezogen. „Hätten wir den Satz zur 4:2-Führung gewonnen, dann hätten wir fast den Deckel draufgemacht“, sinniert Knodel nach Spielende. „Am Anfang haben wir cleverer gespielt, mit zunehmender Müdigkeit hat aber die Leichtigkeit gefehlt.“ Dennoch wurde es nochmals ein hochspannender Satz Nummer acht, in dem Vaihingen zwei Matchbälle abwehrte, ehe der dritte saß. Die Gastgeber waren nach dem 11:13 ein bisschen geknickt. „Letzten Endes bin ich stolz auf meine Mannschaft“, sagt ihr Übungsleiter. „Wir spielen eine außergewöhnliche Saison.“


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