[VKZ] TVV verliert erst im Finale überhaupt Sätze

U-16-Faustballerinnen gewinnen ihre Vorrundenspiele jeweils mit 2:0. Auch im Halbfinale halten sich die Vaihingerinnen schadlos und schlagen den MTV Wangersen ebenfalls mit 2:0. Doch im DM-Finale hat dann der Ahlhorner SV knapp die Nase vorn.

Von Michael Nachreiner | Erstellt: 29. September 2020
 
 

Vaihingen. „Auf dem Mannschaftsfoto will ich aber nur lachende Gesichter sehen.“ Die Anweisung hätte TVV-Trainerin Christina Koch gar nicht geben müssen. Bereits kurz nach der 7:11 und 11:13-Niederlage der U-16-Faustballerinnen des TV Vaihingen gegen den Ahlhorner SV im DM-Finale hatten die Vaihingerinnen weggesteckt, dass es bei der Heim-DM nur Silber und nicht Gold geworden war. „Das große Ziel war es, den ASV mal zu schlagen. Und wir waren auch nah dran. Uns unterliefen aber zwei, drei dumme Bälle pro Satz. Wir müssten allerdings die Ahlhornerinnen ständig unter Druck setzen“, erklärt Kochs Trainerpartner Carsten Reitschuster. „Dennoch haben sie im Finale wieder vieles besser gemacht als noch im Spiel davor. Das ist ihnen im ersten Moment aber gar nicht bewusst.“

Die Anfangsphase im ersten Satz des Endspiels gehörte den Vaihingerinnen. Sie gingen mit 3:1 in Führung. Doch dann übernahmen die Ahlhornerinnen des Kommando, glichen bei 3:3 aus und setzten sich auf 8:5 ab. Auch eine Auszeit von Koch und Reitschuster brachte keine Wende mehr. Wie der erste Durchgang aufgehört hatte, so begann der zweite. Die Niedersächsinnen erarbeiteten sich früh einen kleinen Vorsprung – 3:1. Und den hielten sie bis zum 8:5. Die Vaihingerinnen bekommen vor allem ASV-Hauptangreiferin Joran Nadermann nicht wirklich in den Griff. Immer wieder ist sie durch die Mitte erfolgreich, indem sie den Ball TVV-Mittespielerin Lisa Knodel auf die Füße spielte oder die Abwehrspielerinnen der Gastgeberinnen ins Leere laufen ließ. „Das frustriert natürlich im ersten Moment“, berichtet TVV-Mannschaftsführerin Lea Schmidt, die ein paar Mal auf Nadermanns Körpertäuschungen hereingefallen war. „Man darf sich dadurch aber nicht runterziehen lassen, sondern muss erst recht Gas geben und eben den nächsten Ball holen.“ Und Reitschuster ergänzt: „Es ist schwer zu erkennen, wo sie hinschlägt. Sie zeigt mit dem Körper oft eine Richtung an und schlägt dann doch woanders hin. Es gibt wenige Angreiferinnen bis hinauf zur Bundesliga, die das können.“

Wieder nahmen Koch und Reitschuster eine Auszeit. Und dieses Mal zeigte sie Wirkung. Die Vaihingerinnen spielten plötzlich ihr bestes Faustball. In der Abwehr retteten sie fast jeden Ball. Und dann hatten sie auch das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite, als die Ahlhornerinnen einen Ball tod machten, der eigentlich nur über die Leine geschoben worden war. „Wir haben uns so auf die Meisterschaft gefreut, weil sie ja auch zu Hause in Vaihingen war. Deshalb haben wir nie aufgegeben und haben uns zurückgekämpft“, erklärt Schmidt. Beim vierten Matchball für den ASV unterlief TVV-Angreiferin Ricarda Stübbe dann aber doch wieder ein Fehler. Eine Leinenangabe brachte den Niedersächsinnen den Sieg.

Dass die Vaihingerinnen ihr bestes Faustball unter Druck spielten, war auch schon im Halbfinale gegen den MTV Wangersen der Fall. Bei 8:5-Führung im zweiten Satz für die Niedersächsinnen hatte sich auch Koch mental schon halb auf einen dritten Durchgang eingerichtet. Den ersten Abschnitt hatten die Gastgeberinnen mit 11:9 gewonnen. Doch zunächst glichen die Vaihingerinnen beim 8:8 aus. Dann brachte ein Leinenfehler der MTV-Schlagfrau die Enzstädterinnen in Führung. Stübbe besorgte anschließend den Rest. Der Satz ging mit 11:8 an den TVV.

Es war das erste Spiel bei der DM, in dem die Vaihingerinnen einigermaßen gefordert waren. Am ersten Turniertag brachten die jeweiligen Gegnerinnen in der Regel die Schläge von Stübbe und Klara Kilpper nicht wieder zurück, so dass die Enzstädterinnen ihrerseits gar nicht aufbauen mussten. Dennoch lobt Reitschuster seine Defensive: „Die Abwehr war dennoch gefordert. Dadurch, dass der Rasen nass war, waren auch schwächere Bälle gefährlich, da sie unheimlich schnell wurden, nachdem sie aufgesprungen waren.“ Der TVV gewann gegen den TSV Pfungstadt mit 14:12 und 11:7, gegen die TG Biberach mit 11:6 und 11:7, gegen den VfL Kellinghusen mit 11:6 und 11:7 sowie gegen den Hammer SC mit 11:4 und 11:7. „Gegen die Pfungstädterinnen hatten wir eine kurze Phase, als wir Probleme hatten. Aber wir haben uns nicht rausbringen lassen, auch wenn mal ein, zwei Bälle nicht so gelaufen sind. Das ist auch ein Zeichen der mannschaftlichen Fortentwicklung“, berichtet Reitschuster.

 

HINTERGRUND

Gemeinsame Frisuren locken die TVV-Faustballerinnen freiwillig früher als eingefordert auf den Platz

Für das weibliche Geschlecht ist das Aussehen in der Regel sehr wichtig. Manche Frauen bringen noch nicht einmal den Müll raus, ohne sich zu schminken. So weit ist es bei den Faustballerinnen des TV Vaihingen nicht. Aber auch sie haben ein Ritual. Vor jedem Spieltag flechten sie sich gegenseitig die Haare, damit alle Spielerinnen die gleiche Frisur haben. „Wir wollen es holländisch und nicht französisch“, sagt Leoni Modenese.

Gemeint ist, dass sich die TVV-Faustballerinnen gegenseitig eine holländische Flechtfrisur stylen. Sie wird nah am Kopf geflochten, und es werden immer wieder neue Strähnen vom losen Haar integriert. Der Unterschied zum französischen Zopf? Beim holländischen werden die Haarsträhnen von unten statt von oben integriert, so dass der Zopf auf dem Deckhaar aufliegt. Somit hebt er sich deutlicher ab. „Wir haben das mal bei anderen Spielerinnen gesehen“, berichtet Lisa Knodel. Und Lea Schmidt ergänzt: „Das sieht einfach cool aus.“ Schon hatten die Vaihingerinnen eine gemeinsame Frisur gefunden. „Es geht auch um das gemeinsame Auftreten“, sagt Isabel Grau – um den Teamgeist.

Das ist den TVV-Faustballerinnen sogar so viel wert, dass sie sich rund eine Stunde vor dem eigentlichen Treffpunkt schon zusammenfinden, um sich gegenseitig die Haare zu machen, erzählt Trainerin Christina Koch. Und „bei der U-18-DM in Schneverdingen haben wir extra morgens noch Haarspray besorgen müssen“, fügt die Übungsleiterin hinzu. (nac)


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