VKZ: „Mit Publikum im Rücken wird TVV Deutscher Meister“

Von Ralph Küppers, Vaihinger Kreiszeitung, Erstellt: 27. März 2017

Faustballjugend U 18 gewinnt die nationalen Titelkämpfe mit einer überragenden Leistung – Mitfavorit TV Brettorf im Finale klar geschlagen

 

„Alle unsere Spieler haben über ihrem eigentlichen Niveau gespielt“, sagt Trainer Marco Lochmahr in seiner ersten Analyse kurz nach der Siegerehrung. Die U-18-Faustballer des TV Vaihingen waren gestern so gut aufgelegt, dass keine der Spitzenmannschaften aus Deutschland eine Chance gegen sie hatte. Folgerichtig ließ sich der Nachwuchs des TVV am Nachmittag vor eigenem Publikum als Deutscher Meister feiern.

Vaihingen. Das Endspiel der U-18-DM ist gestern ähnlich verlaufen wie auch die anderen Spiele des TV Vaihingen in der K.o.-Runde. Im ersten Satz haben sie gleich rasant vorgelegt, dann kam ein Einbruch, aber am Ende stand ein souveräner Sieg. Das bekam im Finale der TV Brettorf zu spüren. Innerhalb kürzester Zeit waren die Vaihinger Jungs auf 8:1 davongezogen. „Gegen Brettorf hatten wir in diesem Spiel eine druckvolle und fast fehlerfreie Angabe“, sagt TVV-Trainer Lochmahr. „Und der Brettorfer Angreifer hat im ersten Satz vorsichtig angefangen.“ Doch dann merkte er, dass er mehr Risiko gehen musste. Denn der lederne Ball wurde nie zum Problem für die Abwehrreihen der Gastgeber, die noch dazu das Publikum im Rücken hatten. Ein ums andere Mal kam der Ball fast optimal wieder vor an die Leine, wo er gefundendes Fressen für Hauptangreifer Johannes Jungclaussen war. Unbeeindruckt von körperlicher Größe der gegnerischen Angreifer am Block schlug der Vaihinger den Ball ein ums andere Mal ins Feld des TVB. Erst am Ende des ersten Satzes gelangen den weit gereisten Gästen ein paar Punkte, so dass das Ergebnis mit 11:4 nicht mehr ganz so nach Höchststrafe aussah wie zuvor. Im zweiten Satz zeigten die Brettorfer bei der Angabe erheblich mehr Risikobereitschaft. Das forderte dann auch die Vaihinger, die prompt ein paar Bälle vergaben. Der TVV ging mit 2:0 in Führung, geriet aber dann mit 4:7 ins Hintertreffen. Nach einer Angabe ins Aus nahm das Trainergespann Lochmahr/Tobias Rommel eine Auszeit. Beim Gegner schlichen sich Unsicherheiten ein – eine Leinenberührung, eine Angabe ins Aus und eine in die Leine brachten die Vaihinger wieder heran und dann auch in Führung. Beim Stand von 10:8 hatte der TVV zwei Matchbälle. Dann stand es nur noch 10:9. Ein langer Ball der Brettorfer ins Aus ließ bei den Vaihingern und ihren Zuschauern alle Dämme brechen. Die Jungs hüpften wild auf dem Spielfeld umher, die Fans warfen die Klatschpappen hinterher.

 

Kolja Meyer rief bei der Ehrung für den Spieler des Spiels der Vaihinger Mannschaft zu: „Bei euch ist das die ganze Mannschaft. Ihr habt einen wahnsinnigen Zusammenhalt gezeigt.“ Die Ehrung ging dann aber doch an David Fanz, der einen besonders guten Tag hatte. Lochmahr ergänzte später: „David und auch Christopher Jess spielen als einzige von denen, die heute auf dem Feld standen, nicht in der 1. Bundesliga. Darum haben sie nicht ganz so viel Erfahrung mit harten Bällen wie die anderen. Aber heute bin ich absolut begeistert von der Leistung, die sie abgeliefert haben.“ Das Lob galt für das ganze Team. Allerdings nur, was die Spiele am Sonntag angeht, als jedes Scheitern das Ausscheiden aus der Meisterschaft bedeutet hätte.

 

„Vielleicht haben es unsere Spieler selbst gemerkt, dass 80 Prozent zu geben nicht reicht bei solchen Gegnern, die sie auf der DM haben“, sagt Lochmahr über die Erfahrungen des ersten Turniertags. „Am Samstag ist die Mannschaft das Turnier etwas selbstgefällig angegangen.“ Anders kann er sich den Satzverlust gegen den SV Kubschütz – einem 11:5 folgte ein 5:11 – und den engen Satz gegen die Berliner Turnerschaft (11:9 im ersten Durchgang) nicht erklären. Auch gegen Brettorf, das für den TVV-Trainer allerdings von Anfang an als Mitfavorit gegolten hatte, tat sich die Mannschaft der Gastgeber schwer. Am Ende stand eine Zwei-Satz-Niederlage (7:11 und 8:11), bei der die Vaihinger noch Luft nach oben gelassen hatten.

Ihre beste Leistung zeigten sie gestern, als es nötig war. „Das beweist, dass wir eine gute Vorbereitung gehabt haben und auf den Punkt fit waren“, freut sich ihr Übungsleiter. „Zum Beispiel bei Johannes Jungclaussen, da haben wir speziell an der Angabe gearbeitet. Die war der Schwachpunkt, denn im Rückschlag war er immer schon gut. Und Johannes war noch nie so gut wie an diesem Wochenende. Vor allem gegen Brettorf hat er eine druckvolle und trotzdem fast fehlerfreie Angabe gezeigt.“

 

Nicht nur im Finale, auch im Halbfinale gegen den NLV Vaihingen – immerhin Gruppensieger der anderen Vorrundengruppe – dominierten die Vaihinger das Geschehen. Mit 11:4 und 11:7 wurden das aus der Landeshauptstadt angereiste Team abgefertigt. Auch im Qualifikationsspiel, das der TVV als Gruppenzweiter vor dem Erreichen des Halbfinales spielen musste, war für den Gegner nichts zu gewinnen. Der TV Wünschmichelbach verlor deutlich mit 3:11 und 8:11.

Nach dieser eindrucksvollen Vorstellung des nationalen Faustballsports sagte Harald Muckenfuß als Vertreter der Deutschen Faustballjugend bei der Siegerehrung: „Wir sind hier im Land des Weltmeisters und haben am Nachmittag die sechs besten Jugendmannschaften gesehen. Wir brauchen keine Angst um den Nachwuchs zu haben.“ Einige U-18-Weltmeister standen gestern in verschiedenen Teams auf dem Spielfeld, für manche steht der Wechsel in die A-Nationalmannschaft bevor. Muckenfuß: „Ich bin sicher, da werden einige von euch dabei sein.“ Beste Eigenwerbung haben die Jungs bereits gemacht.

„Der beste Geburtstag“

Der Vaihinger Christopher Jess hat doppelten Grund zum Feiern

Vaihingen. In der Halle am Alten Postweg herrschte unbeschreiblicher Jubel. Nicht nur beim Titelgewinn, sondern schon Stunden davor. Die Zuschauer haben gestern ihre Rolle als sechster Mann in bester Weise ausgefüllt. Gegen einen TV Vaihingen mit dieser Unterstützung im Rücken war kein Kraut gewachsen. Nicht beim TV Wünschmichelbach, nicht beim NLV Vaihingen, der als Gruppensieger Halbfinalgegner des TVV war, und nicht beim TV Brettorf, der den Vaihinger Jungs in der Gruppenphase ihre einzige Niederlage beigebracht hatte. „Ich glaube, Brettorf ist mit der Stimmung nicht ganz zurechtgekommen“, sagt TVV-Trainer Marco Lochmahr. Dass sein Team derart zum Sieg gejubelt wurde, ließ auch den erfahrenen Vaihinger Trainer nicht kalt. Harald Muckenfuß als Vertreter der Deutschen Faustballjugend bestätigte die Einschätzung: „Ich bin schon bei vielen Meisterschaften gewesen, bestimmt über hundert. Aber noch selten haben wir so eine Stimmung bei einer Jugendmeisterschaft gehabt. Unglaublich diese Fans!“

Unglaublich glücklich war auch Christopher Jess. Er war über das Turnier hinweg fester Bestandteil der Vaihinger Mannschaft und zeigte sich auf dem Spielfeld immer wieder besonders emotional. Er hatte gestern doppelten Grund zum Feiern. „Als ich erfahren habe, dass die deutsche Meisterschaft 2017 an meinem Geburstag ist und dann auch noch in Vaihingen, habe ich gewusst: Das wird bestimmt der beste Geburtstag, den ich haben kann.“ Dass es bei der DM zum Titel reichte, ist für ihn natürlich ein besonders schönes Geschenk. „Aber gefeiert hätten wir natürlich auch, wenn wir Zweiter geworden wären“, berichtet Jess. Andere Platzierungen hat er gar nicht erst auf der Rechnung. Als nach der Siegerehrung seine Mutter mit einer Geburtstagstorte kommt – verziert mit einem Foto der TVV-Mannschaft – singt nicht nur die Mannschaft ein Geburtstagsständchen. „Am Abend gehen wir noch zu Johannes Jungclaussen“, verrät Jess. „Mit dem habe ich am Freitag schon eingekauft, damit wir heute feiern können.“

Gefeiert wurde beim TV Vaihingen zwei Tage lang. Es war ein rundum gelungenes Faustballfest in der 1-2-3-Halle sowie auf dem Freigelände. „Es hat fast alles geklappt“, freut sich Kolja Meyer, bei dem die Fäden der Organisation zusammenliefen. „Und wenn mal etwas zu regeln war, ist alles ganz schnell gegangen. Als uns am Samstag der Verstärker abgeraucht ist, waren sofort drei Leute unterwegs, die Ersatz geholt haben. Pünktlich zur Party hatten wir Musik.“ Keinen Grund zu Klagen gab es auch bei Bewirtung und Organisation. Die Faustballer des TVV freut das ebenso wie die Vertreter des Verbands – die Jugend-DM unterm Kaltenstein war Werbung für den Faustballsport vom Feinsten.


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